Ladenburg heute

von R. Beedgen, B. Stahl und R. Ziegler

Nachdem die Stadt bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein eher verschlafenes Dasein führte, wurde ab den 60er Jahren die historische Substanz immer mehr erkannt. Ladenburg erlebte eine Entwicklung, die zu einer grundlegenden Sanierung der historischen Altstadt führte. Dies konnte nur unter Mithilfe des Landes Baden-Württemberg durch eine gezielte Förderung von privaten und öffentlichen Initiativen erreicht werden. Im Bundeswettbewerb "Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau" erhielt die Stadt Ladenburg bereits 1978 für ihre Bemühungen um die erhaltende Erneuerung des Altstadtkerns eine Goldplakette.

Die Stadt gab sich eine Altstadtsatzung und das Land stellte die historische Altstadt unter den Schutz einer Gesamtanlagenverordnung. Außerdem wurde Ladenburgs Stadtkern zum Grabungsschutzgebiet erklärt. Neben den Anstrengungen der Stadt, des Archäologen Dr. Heukemes und des Heimatbundes Ladenburg zur Bewahrung des geschichtlichen Erbes und seiner Zeugnisse unterstützen von jeher die Denkmalbehörden durch Grabungen und Veröffentlichungen die weitere Erschließung der Ladenburger Geschichte. Für ihre Leistungen zum Auffinden und zum Schutz des historischen Erbes wurde der Stadt und dem Heimatbund im Jahre 2010 der baden-württembergische Archäologiepreis verliehen.

In der liebevoll gepflegten Altstadt mit ihren heimeligen Gassen, Plätzen und Winkeln gibt es nicht nur attraktive Wohnungen und Läden, sondern auch das Lobdengau-Museum mit Archäologie, Volkskultur und Stadtgeschichte, gibt es Kunstgalerien und Künstlerateliers, originelle Gaststätten und Hotels und vieles mehr. Auch der Besuch der nahe zusammen stehenden Kirchen lohnt sich sehr. Dass die Pflege der Tradition den Fortschritt nicht ausschließt und Ladenburg den Anschluss an die Zeit nicht verpasst hat, beweisen das Bildungszentrum mit seiner regionalen Bedeutung‚ die Lobdengauhalle, das Römerstadion sowie zahlreiche Einrichtungen wie die Musikschule, die Stadtbibliothek, das Freibad und viele mehr, die den Wohn- und Erholungswert der Stadt ausmachen.

Neben dem Wohnen und dem Erholen wird in der Stadt auch kräftig gearbeitet. Es pendeln immer noch mehr Menschen zum Arbeiten in die Stadt als hinaus. Dafür sorgen viele Arbeitsplätze in unterschiedlichsten Branchen, wobei globale technik- und chemiegeprägte Unternehmen eine große Bedeutung haben.

Die besiedelte Stadt und ihre Freiräume mit einem Blick in die Zukunft

Ladenburg hat mit nahezu 12.000 Einwohnern eine gute Größe erreicht, die nicht übermäßig wachsen soll, um den Charakter und den Charme der Stadt mit ihrem historischen Kern zu bewahren. Gut 40 Jahre erfolgreiche Stadtentwicklungspolitik haben das heutige Erscheinungsbild möglich gemacht. Während in den ersten drei Jahrzehnten der Stadtsanierung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, galt es Anfang des 21. Jahrhunderts, sich mit einem weiteren Schwerpunkt den zwar zum großen Teil bereits vorhandenen, aber nur unzureichend gepflegten Grünanlagen und anderen Freiräumen zu widmen.

Mit der erfolgreichen Bewerbung um eine "Kleine Landesgartenschau", dem sogenannten Grünprojekt, mit dem Motto "Leben und Erleben Ladenburg" konnte diese Aufgabenstellung in die Tat umgesetzt werden. Bis zum Jahre 2005, dem erlebnisreichen Veranstaltungsjahr zum Grünprojekt wurden die vorhandenen Grünanlagen erneuert und mit neu geschaffenen qualitätsvollen Freiräumen zu einem "grünen Gürtel" um die Stadt vervollständigt. Dem Juwel Altstadt wurde sozusagen eine grüne Fassung gegeben.

Eine Vielzahl von landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Maßnahmen, Gewässerlandschaften, Spielplätze und ein Skaterpark, herrlicher Blumenschmuck in der historischen Altstadt und ein künstlerisches Bauwerk am Neckar als neue Marke der Stadt wurden verwirklicht. Die Sichtbeziehungen zwischen der Stadt und der freien Landschaft wurden verbessert, die vorhandene und die im Zuge der Baumaßnahmen wieder entdeckte historische Bausubstanz wurde herausgestellt und die beneidenswerte Eigenschaft Ladenburgs, Stadt am Fluss zu sein, wurde endlich deutlicher ausgeprägt.

Die mit dem Grünprojekt verbundene städtische Entwicklung war ein weiterer bedeutender Meilenstein der Stadt und dies nicht nur in gestalterischem Sinne, sondern auch, was die Stärkung des ohnehin anerkennungswerten bürgerschaftlichen Engagements und das Leben eines Gemeinschaftsgefühls in der Stadt betrifft. Ladenburg ist durch diese Gesamtentwicklung noch lebenswerter und erlebnisreicher geworden. Sie sind herzlich eingeladen, diese einzigartige Atmosphäre der Stadt aufzuspüren.

Für diese Anstrengungen erntete die Stadt viel Lob in Form von Würdigungen und Preisen. U. a. erhielt die Stadt im Jahre 2006 das Prädikat "Deutschlands schönster Park" und 2007 wurde die Stadt im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Entente Florale – unsere Stadt blüht auf" mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums der Entente Florale Deutschland wurde 2010 der Sonderpreis für "Nachhaltige Stadtentwicklung" unter allen 250 bisher am Wettbewerb teilnehmenden Kommunen ausgelobt. Die Stadt Ladenburg konnte diese Auszeichnung gewinnen, was eine weitere Bestätigung dafür ist, dass die Weichen der Stadtentwicklung richtig gestellt worden sind.

Für diese "Blicke von außen" ist die Stadt dankbar. Die Würdigungen und Preise sind gleichermaßen Verpflichtung wie Motivation, den eingeschlagenen Weg der Stadtentwicklung fortzusetzen, also mit dem gebotenen Respekt vor der Vergangenheit die Zukunft mit ökonomischer Vorsicht, ökologischer Weitsicht und sozialer Rücksicht nachhaltig zu gestalten.